Es gibt Zivilisationen, deren Regeln und Traditionen die Zeitalter überdauern. Die japanische Zivilisation gehört dazu. Die für ihre Raffinesse, Präzision und Feinfühligkeit bekannte japanische Kultur birgt verborgene Schätze, die nur eine Handvoll Eingeweihter kennt, beherrscht und weiterführt. Dank der engen Verbindung zu Nippon Kōdō, einer japanischen Räucherwerkmarke seit 1575, hatte Estéban das Privileg, einem der vertraulichsten Rituale beizuwohnen: der Kōdō-Zeremonie (wörtlich „der Weg des Räucherwerks“). Diese alte Kunst, die auf dem Riechen und der Konzentration beruht, wurde einst von Samurai vor einer Schlacht, von Zen-Mönchen und einigen Mitgliedern des Kaiserhofs praktiziert. Ein Rückblick auf eine faszinierende und intime Einführung …

Die Entstehung einer Kunst Kōdō :
Die Kōdō-Zeremonie gilt als die dritte (und wahrscheinlich schwierigste) der drei traditionellen japanischen Künste, nach der Kunst des Blumenarrangierens (kadō) und der Teezeremonie (chadō). Diese auf den ersten Blick einfache Tätigkeit – den Duft erhitzter kostbarer Hölzer wahrzunehmen und zu genießen – ist streng reglementiert: Worte, Gesten und Körperhaltungen haben eine ganz bestimmte Bedeutung, die aus mehreren Jahrhunderten der Praxis hervorgegangen ist (vermutlich um das 16ème Jahrhundert formalisiert, obwohl Räucherwerk bereits im 6ème Jahrhundert nach Japan gelangte). Räucherwerk ist allgemein ein fester Bestandteil der japanischen Lebensart, sei es zum Beduften von Räumen und Kleidung oder zur Ehrung der Vorfahren.

Obwohl die Kunst des Kōdō im vergangenen Jahrhundert eine gewisse Beliebtheit erlangte, ist sie heute besonders wenig verbreitet, zumal sie in Japan nur von zwei Schulen gelehrt wird: der Oie-Schule mit ihrem sehr künstlerischen Ansatz und der Shino-Schule mit ihrem eher spirituellen Ansatz. Jede dieser Schulen hat nur einen einzigen „Großmeister“ – ein Titel und eine Berufung, die seit 500 Jahren von Generation zu Generation weitergegeben werden, ebenso wie die von ihnen verwendeten Rohstoffe: Einige der bei diesen Zeremonien eingesetzten Hölzer sind mehrere Jahrhunderte alt. Stellen Sie sich also die Emotion vor, die man empfinden kann, wenn man dieselbe sinnliche Erfahrung wie ein Shōgun *, ein Dichter oder ein Aristokrat jener Zeit erlebt. Eine emotionale Reise, auf die niemand vorbereitet sein kann.

*Shogun: hochrangiger Samurai
Die Spur eines Schatzes:
Die Ursprünge des Kōdō sind von Geheimnissen umhüllt … Der Legende nach soll ein Stück aromatisches Holz – vermutlich Jinkō – im Jahr 595 an die Küste der Insel Awaji gespült worden sein. Fischer, die vom beinahe übernatürlichen Duft fasziniert waren, der von den ins Feuer geworfenen Fragmenten ausging, beeilten sich, es dem Kaiser anzubieten. Einige dieser Hölzer, die seit 1.000 Jahren aufbewahrt werden, gehören noch heute zu den Schätzen des Kaiserhofs, wo sie weiterhin Bewunderung und Begehrlichkeiten wecken. Und das aus gutem Grund: Die kostbaren Hölzer, die bei dieser Art von Zeremonie verwendet werden, sind wahre Schätze. Der Preis der seltensten Sorten kann 850 € pro Gramm erreichen, was dem Prestige dieser Zeremonie, die großen Ereignissen und Ehrengästen vorbehalten ist, zusätzlichen Glanz verleiht.

Spielen, um das Riechen zu lernen:
Die Praxis und Entdeckung des Kōdō erfolgen meist über „Spiele“, durch die man sich mit den verschiedenen aromatischen Holzsorten vertraut macht, um sie sich einzuprägen. Es gibt fast 300 Spiele, aber „Genji-kō“ (das, an dem wir teilgenommen haben) ist sicherlich das bekannteste, da es auf einem weiteren Monument der japanischen Kultur beruht: dem „Genji-Monogatari“, einer Gedichtsammlung aus dem 11.te Jahrhundert, das vom Leben der Höflinge jener Zeit erzählt.

Jedes Kapitel dieser Sammlung wird visuell durch ein kalligrafisches Symbol und olfaktorisch durch eine Kombination kostbarer Hölzer dargestellt. Bei der Vorbereitung des Spiels wählt der Zeremonienmeister 5 verschiedene Räucherholzsorten aus, schneidet jede davon in 5 Stücke und legt die 25 Fragmente anschließend in Papierumschläge. Danach werden die 5 Umschläge ausgewählt, die bei der Zeremonie des Tages verwendet werden. Mathematisch ergeben sich somit 52 mögliche Holzkombinationen – ebenso viele wie Kapitel im Genji-Monogatari (ohne Einleitung und Schluss).
Das Ziel des Spiels? Anhand ihres Duftes die Art jedes einzelnen erschnupperten Holzes zu erkennen, um die richtige Kombination (und damit das richtige Kapitel) zu nennen. Die 5 Stücke können vom selben Holz stammen, alle unterschiedlich sein oder teilweise identisch sein (einige stammen aus denselben Stämmen, andere nicht). So anregend die Handlung auch ist, die Aufgabe erweist sich dennoch als schwierig …
Kōdō, Eine streng ritualisierte Zeremonie:

Wenn man davon spricht, den Weihrauch zu „hören“, statt ihn zu „riechen“, soll dies an die für diese Übung erforderliche Konzentration erinnern, die mit der Aufmerksamkeit vergleichbar ist, die wir einem kaum hörbaren Geräusch widmen müssten. Der Duft dieser kostbaren Hölzer ist so subtil, dass seine Wahrnehmung durch ein genau festgelegtes Zeremoniell erfolgt, das die Teilnehmer mit größtem Respekt befolgen.
Der Ablauf des Spiels
- Zu Beginn bereitet der Zeremonienmeister die Räuchergefäße vor, in denen während der Sitzung die „gehörten“ Holzstücke aufgenommen werden: Keramikgefäße, in deren Innerem ein Stück Kohle liegt, das sofort mit Asche bedeckt wird (um seine Glut zu bewahren). Ein auf der Aschekuppel ausbalanciertes Glimmerplättchen dient als Unterlage für das Räucherholz, das so seine Duftspur verbreitet, ohne zu verbrennen.

- Das „Hören“ des Weihrauchs (© Nippon Kodo. Co., Ltd)
- Sobald das erste Räuchergefäß vorbereitet ist, übergibt es der Zeremonienmeister dem ersten Gast, der es „würdigt“, bevor er es auf ein Stoffquadrat vor sich stellt – ein Zeichen für den nächsten Teilnehmer, dass dieser den Gegenstand selbst nehmen kann. Und so weiter, bis alle Teilnehmer an der Reihe waren. Auf diese Weise zirkulieren fünf Räuchergefäße in einer genau festgelegten Reihenfolge, bis alle Gäste die vom Großmeister zufällig ausgewählten Duft-Hölzer kennengelernt haben.

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Die richtige Handhabung: Um den Weihrauch richtig zu „würdigen“, sollte eine bestimmte Handhabung befolgt werden: Zuerst das Gefäß mit der rechten Hand greifen und auf die linke Handfläche stellen, Sich vergewissern, dass die „Hörlinie“* des Gefäßes einem zugewandt ist, . > Die Aschekuppel mit der rechten Hand luftdicht abdecken und dabei zwischen Daumen und Zeigefinger einen Spalt lassen, sodass ein „Duftschornstein“ bis zur Nase entsteht. > Zum Schluss drei tiefe Atemzüge (nicht mehr) des verströmten Duftes nehmen und darauf achten, seitlich (immer nach rechts) auszuatmen, damit die Rauchschwaden nicht gestört werden. |
- Zum Abschluss gibt jeder Gast seine Antwort zu den erschnupperten Hölzern ab, indem er auf einem vorausgefüllten Pergament die Kombination angibt, die er zu erkennen glaubt – und zwar mithilfe der berühmten kalligrafierten Symbole (z. B.: Wenn uns die ersten 4 erschnupperten Hölzer ähnlich erscheinen und das 5te anders, muss das Symbol ausgewählt werden, das 4 oben miteinander verbundene Stäbchen und das 5te Stäbchen allein zeigt (Leserichtung von links nach rechts)):

- Alle Antworten werden anschließend von einem Kalligrafen oder einer Kalligrafin gesammelt und auf einer Schriftrolle festgehalten; dabei werden auch die Punkte gezählt. Anschließend enthüllt der Meister die richtige Antwort, und der Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl (also mit den meisten richtig identifizierten Holzessenzen) erhält die Schriftrolle als Geschenk. Eine Ehre, die wir dank der Expertise unseres Teams vor Ort entgegennehmen durften.

- Nach dieser Preisverleihung begrüßt der Gastgeber der Zeremonie alle Gäste, die ebenfalls mit gefalteten Händen den Kopf neigen – als Zeichen der Ehrerbietung. Die Kōdō-Zeremonie ist offiziell beendet. Jeder geht mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause und freut sich, diesen Moment der Konzentration und Raffinesse im Beisein anderer Duftliebhaber geteilt zu haben. Wäre die größte „magische Kraft“ des Räucherwerks nicht seine Fähigkeit, Menschen aus allen Lebensbereichen in einem gemeinsamen Moment der Spiritualität zusammenzubringen? Nach dieser Erfahrung sind wir zutiefst davon überzeugt …

Setzen wir die emotionale Reise fort
Das Räucherritual ist mehr als eine Tradition – es ist eine wahre Erfahrung für die Sinne und die Seele. Mit seiner großen Vielfalt an japanischem Räucherwerk führt Estéban die Raffinesse fort und erneuert Ihr Dufterlebnis immer wieder aufs Neue. Unser japanisches Räucherwerk wird in Japan aus natürlichen Rohstoffen hergestellt: Gewürzen, duftenden Hölzern, Wurzeln, Pflanzen und pflanzlichen Harzen, die fein gemahlen, anschließend mit Wasser und einem pflanzlichen Bindemittel vermischt werden. Seine Qualität beruht auf dem Gleichgewicht zwischen überliefertem Know-how und moderner technologischer Forschung. Beim Abbrennen hat Räucherwerk die Fähigkeit, eine Atmosphäre zu schaffen, die Wohlbefinden und Entspannung fördert; nachdem es vollständig abgebrannt ist, hinterlässt es mehrere Stunden lang eine duftende Spur. Denken Sie bei Ihrer nächsten Reise daran: Das Hotelzimmer oder das Ferienhaus werden Ihnen dadurch vertrauter erscheinen …



















